Beratungskompetenzen: Werkzeuge & Methoden – 4. Quartalstreffen des Sifa-Netzwerkes 2017

Beratungskompetenzen: Werkzeuge & Methoden – 4. Quartalstreffen des Sifa-Netzwerkes 2017

Die Belange der Arbeitssicherheit in einem Unternehmen kann man nur erfolgreich in die Tat umsetzen, wenn sie an alle Beteiligten nachhaltig vermittelt und diese in die Abläufe eingebunden werden. Neben der Sachkenntnis ist für einen Arbeitsschützer daher keine Kompetenz so wichtig wie die der Beratungskompetenz. Wie man den Arbeitsschutz gut an den Mensch bringt und welche Methoden und Werkzeuge hierzu eingesetzt werden können, damit befassten sich die Teilnehmer beim 4. Quartalstreffen des Sifa-Netzwerkes Deutschland am 24. und 25.11.2017 in der BGW Akademie in Dresden.

Nach der Begrüßung durch Netzwerk-Leiter Reinhard Bock sprach die Psychologin Dr. Marlen Cosmar vom IAG der DGUV zum Thema Emotionsarbeit. Sie erläuterte uns, wie es uns gelingt, Menschen zu überzeugen. Denn wenn wir Veränderungen im Verhalten von Menschen bewirken wollen, müssen wir das, was wir sagen, ernst meinen. Wir dürfen dem Gegenüber nichts vorspielen. Das Gefühl, das wir vermitteln, müssen wir auch selbst empfinden. Ebenso riet uns Frau Dr. Cosmar, in schwierigen Situationen tief durchzuatmen. Also ich neige ja dazu, in diesen Momenten überhaupt nicht mehr zu atmen. Wenn wir Fachkräfte für Arbeitssicherheit Menschen beraten, beginnt dies häufig mit der Kritik, deshalb müssen wir sachliche erläutern, um was es geht. Wir selbst sollten entspannt in dieses Gespräch gehen – wichtig, um Menschen überzeugen zu können. Auch die DGUV gibt Tipps in Ihrem Lernportal Emotionsarbeit.

Uwe Dünkel während des Vortrags

Uwe Dünkel über den Einsatz von Piktogrammen

Als nächster Referent sprach unser langjähriger Netzwerker Uwe Dünkel über die Rechtsverbindlichkeit von Piktogrammen. Piktogramme werden in der Arbeitsstättenregel ASR A1.3 festgelegt. Wird diese Arbeitsstättenregel eingehalten, kann man davon ausgehen, dass auch die Arbeitsstättenverordnung eingehalten wird, man ist somit auf der sicheren Seite. Will man eigene Piktogramme verwenden, ist es erforderlich, dies in der Gefährdungsbeurteilung zu begründen.

Im Anschluss informierte uns Frau Lichtenberg vom Institut Kutschera darüber, wie man die Ergebnisse aus der Hirnforschung in der Praxis eines Arbeitsschützers nutzen kann. Das zeigt sich gerade bei Anweisungen und wie sie formuliert werden: So ist es beispielsweise falsch zu sagen: »Trage die Last nicht allein.« Richtig wäre die Anweisung: »Trage die Last zu zweit.« Und warum? Weil das das Gehirn das nein nicht verarbeitet.

Um eine Verhaltensänderung bei Mitarbeitern zu bewirken, muss die Fachkraft für Arbeitssicherheit auch Schlüsselkompetenzen besitzen. Diese sind die Sachkompetenz, also Fachwissen, die Selbstkompetenz, darunter die Ernsthaftigkeit, und die Sozialkompetenz, Inhalte gut zu transportieren. Claudia Lichtenberg erläuterte uns, wie man menschlichen Charakteren einteilen kann. Denn jeder Mensch reagiert anders auf Anweisungen, und je nach Typ müssen Mitarbeiter spezifische Kompetenzen stärken, damit sie ihre Anweisungen auch entsprechend durchsetzen können. In folgenden möchte ich einige Typen beschreiben und aufzeigten was die einzelnen Charaktere lernen sollten, um besser überzeugen zu können:

Claudia Lichtenberg präsentiert eine Infografik zur menschlichen Informationsverarbeitung

Claudia Lichtenberg referiert darüber, wie Menschen Informationen verarbeiten

  • Typ mutig aggressiv, der Missstände aufzeigt, sich durchsetzt und rebellisch ist: Diese Menschen müssen lernen, Verantwortung zu tragen, sich einzuordnen und ein nein anzunehmen.
  • Typ führsorglich besserwissenden, der für andere sorgt, Verantwortung übernimmt, mit anpackt und kontrolliert: Er muss lernen, zu genießen und zu bitten.
  • Typ Beobachter, Rückzieher, ist konzentriert, kann das Alleinsein genießen und ist geduldig: Diesem Charakter würde es guttun, Verantwortung zu übernehmen und ein Miteinander sowie Nähe auszuhalten.
  • Typ Charmeur, »kleines Kind«, kann mit Leichtigkeit Neues beginnen, genießen und lassen sich gern verwöhnen: Er muss häufig lernen, den Überblick zu behalten und Begonnenes zu beenden.

In mehreren Workshops und bei Übungen lernten wir, uns zu entspannen, zu sehen, wie negative Gedanken und Erlebnisse uns beeinflussen und wie wir uns selbst stärken können. Außerdem gestaltete Frau Lichtenberg auch die Abendveranstaltung. Noch nie habe ich in Dresden so gelacht, vielen Dank!

Am Samstag erläuterte uns Jörg Stojke der BGW, welche Veränderungen es in Zukunft bei der BGW geben gibt: Es wird in der Hamburger Hafenstadt ein neues BGW und VBG Präventionszentrum aufgebaut. Des Weiteren wird die Ausbildung der Fachkräfte für Arbeitssicherheit umstrukturiert. Präsenzzeiten verändern sich und Inhalte werden weniger auf das Fachliche und mehr auf Themen des Managements gelegt.

Harald Onischka beim Vortrag

Harald Onischka über die Einbeziehung von Arbeitnehmervertretungen

Wie die Zusammenarbeit der Fachkraft für Arbeitssicherheit und des Betriebsrates gelingen kann, erläuterte im anschließenden Vortrag Harald Onischka von der Firma Onischka aus Schneeberg. In einem Workshop konnten wir unsere Erfahrungen zusammentragen. Danach wurden die unterschiedlichen Formen der Mitarbeitervertretungen (Betriebsrat, Personalrat usw.) erläutert. Aus diesem Vortrag nehme ich mit, dass die Mitarbeitervertretung darüber informiert werden muss, wenn die Berufsgenossenschaft und die Gewerbeaufsicht (in Thüringen das Landesamt für Verbraucherschutz) im Hause sind, und an Begehungen teilnehmen kann.

Zum Abschluss wünsche ich allen Netzwerkerinnen und Netzwerkern ein geruhsames Weihnachten!

Anette Mäder
(Sifa-Orga-Team)

Beitrag in: Arbeitsschutz, Arbeitssicherheit, Veranstaltungsrückblicke

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